Towell stirbt nach zwei K.O.‘s
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Wochen vor diesem Kampf hatte Towell bereits über Kopfschmerzen geklagt. Seine Lebensgefährtin Chloe Ross dachte allerdings eher an stressbedingte Migräne. Am Freitagabend starb der Schotte schließlich an schweren Gehirnblutungen und -schwellungen. Der erst 25-jährige wurde nach der Niederlage in der fünften Runde am Donnerstag auf einer Trage aus dem Radisson-Blu Hotel in Glasgow getragen worden.
„Er hat bis zum Ende gekämpft und ist dann kurz nach 23 Uhr sehr friedlich gestorben. Mein Baby hat seinen Papa verloren. Aber es wird so stolz auf seinen Vater sein und auf das, was er erreicht hat.“
Diese Worte stammen von Chloe Ross, mit der der Boxer seit achteinhalb Jahren eine Beziehung führt. Die lebenserhaltenen Maßnahmen wurden am Freitagabend eingestellt, es bestand einfach keine Hoffnung mehr. Laut Ross sei Towell noch 12 Stunden am Leben gewesen. „Zwölf ganze Runden. Er hat uns stolz gemacht. Er hat das gemacht, was er am besten konnte. Sich durchbeißen. Er war einzigartig.“ Das Image des Boxsports wird durch diesen Vorfall allerdings kaum in Mitleidenschaft gezogen. Denn in den USA zum Beispiel stirbt fast jedes Jahr ein Boxer an den Folgen des Sports. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen, allerdings hat Manuel Velazquez eine Studie dazu veröffentlicht. So starben in den Jahren 1890 bis 2007
- 126 Boxer (55 Profis, 71 Amateure) während des Trainings
- 293 Amateurboxer während eines Wettbewerbs
- 923 Profiboxer während eines Profi Boxkampfes
Diese Statistik zeigt, dass Todesfälle beim Boxen alles andere als ungewöhnlich sind, sondern so gut wie zum Alltag gehören. In keinem anderen Sport sterben so viele Athleten bei der Ausübung ihres Sports. Klar, auch im Fußball zum Beispiel hat es schon einige Fälle gegeben, dass Spieler während eines Matches mit einer Herzattacke zusammengebrochen und gestorben sind. Allerdings ist die von der Häufigkeit her kaum ein Vergleich. Viel schlimmer für das Image des Boxsports, so hart das auch klingen mag, sind die Fälle von überheblichen und sich unmöglich verhaltenen Boxern wie beispielsweise Tyson Fury, der amtierende Weltmeister im Schwergewicht.
Doping Vorwürfe gegen Tyson Fury
Die Vorwürfe des Kokain-Konsums scheinen Fury derzeit nicht besonders zu stören. Der 28-jährige twitterte noch am Tag nach der Veröffentlichung über Twitter ein Standbild aus dem US-Film „Scarface“, auf der die Hauptfigur des Filma, Tony Montana (Al Pacino) zu sehen ist, wie er vor einer riesigen Menge Kokain sitzt. Fury ersetzte Pacinos Gesicht durch sein eigenes und schrieb den Hashtag „TysonMontana“ dazu – passenderweise änderte er seinen Twitter Namen auch gleich in TysonMontana. Einen Tag vorher hatte die Voluntary Anti-Soping Association (VADA) eine Nachricht an alle Box-Weltverbände geschickt, Tyson Fury stehe in dem Verdacht, Koks genommen zu haben.
„Mr. Fury hat das Recht, umgehend die Analyse der B-Probe auf eigene Kosten anzufordern.“
So steht es in dem Schreiben der VADA. Das Lager von Wladimir Klitschko, der im vergangenen November alle seine Titel gegen Fury verlor, reagierte auf diese Nachricht entsprechend: „Wenn das so stimmt, passt das in das Gesamtbild, das man von Fury nach seinen Anfeindungen etwa gegen Homosexuelle hat. Er ist für mich der unwürdigste Schwergewichts-Weltmeister, den ich persönlich kennengelernt habe“, meinte beispielsweise Klitschkos Manager Bernd Bönte. Dazu passt, dass Fury den Rückkampf, der für den 29. Oktober in Manchester angesetzt war, nun abgesagt hat.
Fury kündigt Rücktritt an – und macht dann einen Rückzieher
Die Doping Vorwürfe waren aber noch nicht alles, das der Skandalboxer sich erlaubte. Am 3. Oktober twitterte Tyson Fury:
„Boxen ist das Traurigste, was ich je gemacht habe. Boxen ist ein Haufen Scheiße. Ich bin der Größte, und ich bin im Ruhestand.“
Der letzte Satz den er hinterherschob ist so vulgär, dass wir ihn lieber nicht in diesem Rahmen veröffentlichen wollen. Der Rücktritt vom Boxsport war also schon so gut wie erledigt – doch dann, nur wenige Stunden später, der Rücktritt vom Rücktritt: „Glaubt ihr, ihr werdet mich so schnell los? Wenn es mir besser geht, werde ich verteidigen, was mir gehört – den Schwergewichts-Thron.“ Der britische Top-Promoter Eddie Hearn, der unter anderem auch den IBF-Weltmeister Anthony Joshua unter Vertrag hat, schwenkte nun um und sagte seinerseits einen angesetzten Kampf gegen Tyson Fury ab. Vielmehr wird jetzt ein Kampf am 26. November in Manchester gegen Wladimir Klitschko angesetzt.
Der Schaden für den Boxsport
Clowns wie Tyson Fury sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Image dieses Sports ernsthaften Schaden nimmt. Die Todesfälle sind schlimm – allerdings ist sich jeder bewusst, dass es sich beim Boxen um einen gefährlichen Sport handelt und Verletzungen sind vom Publikum sogar ausdrücklich erwünscht – warum sonst wird im Profibereich ohne Helm geboxt. Tyson Fury kann zwar eine beeindruckende Karriere vorweisen:
- WBA-Superchampion im Schwergewicht
- WBO-Weltmeister im Schwergewicht
- IBF-Weltmeister im Schwergewicht
- IBO-Weltmeister im Schwergewicht
- Ring Magazine Weltmeister im Schwergewicht
- WBO Intercontinental Champion im Schwergewicht
- WBO International Champion im Schwergewicht
- EBU-Europameister im Schwergewicht
- Commonwealth-Meister im Schwergewicht
- Britischer Meister im Schwergewicht
- Englischer Meister im Schwergewicht
- Irischer Meister im Schwergewicht
Insgesamt bestritt Fury bislang 25 Profikämpfe die er alle gewann, davon 18 durch K.O. Fury boxt in Linksauslage, ist 2,06 Meter groß und hat eine Reichweite von 216 cm. Und trotz dieser ganzen Erfolge macht er sich beim Publikum immer wieder unbeliebt und sorgt so dafür, dass das Boxen in die Schmuddelecke gedrängt wird.
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